© Boris Weinrich

Zeichnung: Boris Weinrich

Was ist Mindfuck?

Mindfuck: Wahrscheinlich ist Ihnen dieses Wort irgendwo zwischen Videothek und Internet schon mal begegnet. Doch was genau ist das eigentlich, ein Mindfuck? – zumindest kein literarischer Begriff, schon gar nicht die Bezeichnung für ein Genre.

Sprachwissenschaftlich gesehen, lässt sich das Kompositum vom umgangssprachlichen, selten benutzten “to fuck with somebody´s mind/brain” zurückführen, was so viel bedeutet, wie “jemanden manipulieren”. Manipulation gehört zwar zum Mindfuck, ist jedoch lediglich die Vorarbeit, um einen solchen auszulösen. Außerdem spricht man von Mindfuck immer auch im Kontext eines Unterhaltungsmediums.

Mindfuck ist demnach ein Effekt, hervorgerufen durch eine völlig unerwartete und überwältigende Wendung in einer Handlung.

Anfang der 2000er Jahre, nachdem Filme wie The Sixth Sense, Fight Club oder Mulholland Drive Kinobesucher in gleichem Maße fasziniert wie ungläubig in den Sesseln zurückgelassen hatten, tauchte der Begriff in amerikanischen Filmforen auf. Eine geeignete deutsche Übersetzung gibt es nicht. Kopfverdreher klingt zwar weniger vulgär, wird dem Effekt aber nicht gerecht.

In den letzten Jahren kursieren in sozialen Netzwerken auch Fotos und Bilder mit der Etikette Mindfuck. Kuriose und versteckte Details fallen hier erst auf den zweiten oder dritten Blick auf und sorgen somit für Überraschung.

Bisher aber hat sich der Begriff weitestgehend nur für eine bestimmte Machart von Filmen etabliert. Das Buch Mindfuck Stories soll sollen zeigen, dass Mindfuck auch in der Literatur einschlägt. Die Kurzgeschichten von Christian Hardinghaus offenbaren am Schluss mehr als nur eine Pointe, sie sind einfach noch durchgedrehter!